Editorial

Kult am Pult 4-2013

3 KULT AM PULT 4-2013 Editorial Wir erleben eine Welt der großen Gegensätze: Im Mittelmeer versinken nicht seetüchtige Nussschalen mit Menschen, die aus ganz existenziellen Gründen vor Gewalt und Armut fliehen; und derweil besorgt sich die Weltmacht USA mit ihrem totalen digitalen Lauschangriff alle persönlichen, wirtschaftlichen und politischen Informationen, die der große Datenstaubsauger einsammeln kann. Natürlich gilt unverändert: Wissen ist Macht. Schon für Napoleon war ein Spion an der richtigen Stelle mehr wert als eine ganze Armee. Aber wieviele Köpfe zählt der riesige Datenkrake auf der anderen Seite des Atlantik? Zudem sind es wohl gerade deutsche Unternehmen, die unter dieser umfassenden Ausspähung leiden. Erfolgreiche Mittelständler, die zwar als „hidden champions“ Marktführer in ihrer Nische sind, sich aber kein eigenes Internet-Wachpersonal leisten können. Hier entstehen massenhaft Wettbewerbsverzerrung und wirtschaftlicher Schaden. Und was passiert mit der flächendeckenden Schnüffelei in privaten Daten? So wird jeder potenziell verdächtig, der zufälligerweise einen kennt, der einen kennt... Und das kann auf Facebook sehr schnell gehen! Zumindest soll nun die Nachfrage nach dem tatsächlich sicheren Verschlüsselungshandy aus deutscher Produktion kräftig angezogen haben. Ob der Ansatz des Verbandes der deutschen Briefumschlag-Industrie zieht, der der Kanzlerin ein Konvolut „abhörsicherer“ Umschläge geschickt hat, bleibt abzuwarten. Die Marketingidee ist gut, aber die Laufzeit eines Briefes hinkt der Geschwindigkeit eines Mobiltelefons Freuen Sie sich auf Perlmutt und Kautschuk. Besuchen Sie Brunei und Bombay. Treffen Sie Leonardo und Rigoletto. Mögen Sie lieber Panther oder Ente, Schiwago oder James? Und wie wärs mit einer Runde Golf? deutlich hinterher. Und schon die Stasi hatte mit vergleichsweise vorsintflutlichen Methoden den Postverkehr eines ganzen Landes unter Kontrolle. Von der NSA weiß man, dass in den USA zumindest alle Absender und Empfänger von Postsendungen registriert werden. Vermutlich werden auch in den kommenden Wochen und Monaten noch zahlreiche weitere Details bekannt. Deswegen wollen wir an dieser Stelle mit Marcel Reich- Ranicki sprechen: Den Vorhang zu und alle Fragen offen! Wenden wir uns also mit Grausen von der digitalen Welt ab und der Welt des analogen Schreibens zu. Schließlich haben wir in der vorliegenden Ausgabe zahlreiche Neuheiten versammelt, die glücklicherweise nicht dazu geeignet sind, den Nutzer abzuhören, auszuspähen und zu durchleuchten. Dazu eignen sich Naturmaterialien wie Edelmetall, Glas oder Kautschuk nun einmal nicht. Viel mehr möchten wir Sie mit Neuheiten erfreuen, die mit technischen und ästhetischen Qualitäten überzeugen, etwa einer Doppelmechanik, die zugleich das Kolbenfüllsystem und die Safety-Feder bedient. Wir berichten über glitzernde Edelsteine, reichlich Präzisionsarbeit von Hand und Qualität „Made in Germany“. Dabei kommen auch und gerade hochwertige Lederwaren und Papiere nicht zu kurz. Ein aktueller Blick in neue Ladengeschäfte, eine Vorschau auf die Paperworld und nicht zuletzt eine frische Idee, wie sich Wortkunst mit dem Schreiben vor Publikum verbinden lässt, runden die Ausgabe ab. Der Vorteil: Wer öffentlich schreibt, macht sich weder verdächtig, noch muss er abgehört werden. Vergnügliche Lektüre wünscht Ihre Kult am Pult-Redaktion Reiner M. Timter


Kult am Pult 4-2013
To see the actual publication please follow the link above